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Quelle:     Süddeutsche Zeitung vom 10.August 2011

Von A nach B für 180 Euro

Verbraucherschützer warnen vor vermeintlich günstigen Umzügen


Berlin / Hattersheim
Wer in den nächsten Wochen umzieht, sollte sich vor allzu günstigen Möbelpackern in Acht nehmen. Weil vor allem Jobwechsler mit Familie gern in der Ferienzeit umziehen, locken zurzeit jede Menge Dienstleister mit Schnäppchenangeboten. Doch Vorsicht: Wer sich auf den vermeintlichen Billigumzug einlässt, werde am Ende häufig „übers Ohr gehauen und brutal abgezockt“, warnt Verbraucherschützer Michael Bruns von der Stiftung Warentest. In der neuen Wohnung angekommen können aus dem 490-Euro-Komplettangebot plötzlich 1600 Euro werden. Oder es heißt, die 180 Euro für 3 Mann à fünf Stunden waren nur die Anzahlung, der Endpreis liege bei 2000 Euro. „Die Betroffenen stehen mit dem Rücken an der Wand, wenn die Packer viel mehr Bares verlangen als anfangs ausgemacht“, berichtet Bruns . Weigern sich die Kunden, werde oft damit gedroht, dass Möbel einbehalten werden. Das schüchtert ein und macht Druck. „Was bleibt in der Lage anders übrig, als zum Geldautomaten zu gehen?“ schildert der Verbraucherschützer die Abkassiermasche. Zumal Umzugsfirmen tatsächlich das Recht haben, Möbel als Pfand zurückzuhalten.


Was den Billigpreis im Lauf des Umzugs so teuer machen kann, sind die vielen Zusatzkosten, die plötzlich auftauchen. Etwa für den Transport der Waschmaschine oder für Möbelmontagen. Auch das Ausräumen von Keller oder Balkon wird zum Schluss meist extra berechnet, weil es angeblich nicht im Kostenvoranschlag drin war. Bei so manchem Schnäppchenangebot muss außerdem noch die Mehrwertsteuer hinzugerechnet werden. Und dann noch die Kartons, Handgriffe hier und da sowie Serviceleistungen, die zwar im Vertrag standen, nicht aber im Endpreis.
„Die Polizei rufen hilft nicht, weil sie normalerweise nicht eingreifen darf, wenn keine direkte kriminelle Handlung vorliegt“, sagt Dierk Hochgesang, Geschäftsführer des Bundesverbandes Möbelspedition und Logistik (AMÖ). Auch eine Anzeige hinterher nutzt meist wenig, sagt Verbraucherschützer Bruns. Weil betrügerische Speditionen oft ihren Namen ändern oder ganz abtauchen, verläuft eine Klage häufig im Sand.


Jetzt, in der Umzugshochsaison, versuchen dubiose Möbelpacker-Firmen vor allem in Ballungsräumen wie Berlin, Frankfurt, München oder dem Ruhrgebiet, ahnungslose Kunden regelmäßig über den Tisch zu ziehen. Hochgesang schätzt, dass sich am Markt bis zu 2500 Umzugsanbieter tummeln. Verlass sie nur darauf, dass die über 1000 AMÖ-Verbandsmitglieder garantiert nicht zu den schwarzen Schafen der Branche zählen. Wer keinem Gauner aufsitzen will, sollte sich bei besonders verlockenden Angeboten immer fragen: Kann der angebotene Preis von 200 Euro und weniger für einen Ganztags-Umzug mit Personal und Lastwagen realistisch sein, lautet der Rat von Verbraucherschützer Bruns. Ein Festpreis-Angebot sollte immer darauf abgeklopft werden, ob es tatsächlich den kompletten Umzug inklusive Organisation, Anfahrt und Montagen abdeckt. Seriöse Firmen informieren von vornherein über Posten, die zusätzliche Kosten verursachen könnten, statt im Nachhinein unzählige teure Extras in bar zu verlangen.

 
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